Eine Selbstverständlichkeit?

Lesen in unserer Muttersprache ist für uns eine Selbstverständlichkeit. In Äthiopien nicht. Millionen Äthiopier haben praktisch keine Literatur in ihrer Muttersprache. Sie stecken im Kreislauf des Analphabetismus fest: Weil niemand publiziert, wird nicht gelesen und weil die Leute keine Leser sind gibt es keinen Markt.

Seit der Einführung eines föderalistischen Schulsystems in Äthiopien lernen Schüler zuerst in ihrer Muttersprache lesen und schreiben und nicht wie früher in der Amtssprache Amharisch. Diese an und für sich gute Initiative steht jedoch vor großen Herausforderungen. Eine davon ist die Tatsache, dass in den meisten dieser Sprachen kaum Bücher existieren. Obwohl sie Lesen und Schreiben lernen, können viele diese Fähigkeiten nie anwenden.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen lancierte ein Team aus Schweizern und Äthiopiern im Herbst 2012 den Literaturverlag Ayaana Publishing. Das Ziel: Lesen in der eigenen Muttersprache soll in Äthiopien für alle zum Alltag gehören. Partner Aid Schweiz hilft, damit dieses Ziel Wirklichkeit werden kann.

Eine Lesekultur etablieren

Das Ayaana Team startete mit einem Literaturmagazin in Oromo, der grössten Sprache Äthiopiens, die von über 35 Millionen gesprochen wird. Es ist das erste Literaturmagazin in dieser Sprache überhaupt. Ein ähnliches Magazin für die Somali Bevölkerung ist in Vorbereitung. Sowohl Oromo wie auch Somali, sind beides Hauptsprachen in wichtigen äthiopischen Regionen und darüber hinaus. Trotzdem besitzen sie nur sehr wenig Literatur.

Ein wichtiger Teil der Vision ist Wissenstransfer und Berufsbildung. Das Ayaana Team bildet Layouter aus und bietet Praktika an. Das Team bietet Autoren eine Plattform für ihre Werke und betreibt intensive Vernetzungsarbeit unter Autoren und Künstlern.

Ayaana Publishing Plc. wurde bewusst nicht als Hilfswerk gegründet sondern als GmbH. Nachhaltigkeit bedeutet, dass längerfristig alle diese Projekte kostendeckend betrieben werden. Eine Lesekultur zu etablieren braucht aber Zeit. Zudem will das Ayaana Team die Produkte so günstig wie möglich anbieten, da das Zielpublikum eine geringe Kaufkraft hat.

Momentaufnahme

Vor gut eineinhalb Jahren hat das Ayaana Team mit dem Oromo Magazin das erstes Produkt lanciert. Das Magazin erscheint nun jeden zweiten Monat mit einer Auflage von 15`000 Stk. Es beschäftigt 15-20 Mitarbeiter (die Zahl variiert). In dieser Zeit konnte das Team wertvolle Erfahrungen machen, viele Beziehungen knüpfen, Verkaufskanäle etablieren und Abläufe optimieren. Durch Werbeeinnahmen und gesponserte Seiten von NGOS`s ist das Magazin nun praktisch selbsttragend. Bis es soweit war, hat es aber Zeit und das ganzes Startkapital gebraucht.

grosses Potential

Es gibt viel Wachstumspotential und die Nachfrage unter der Bevölkerung ist groß. Damit das Ayaana Team für die Somali ein ähnliches Magazin publizieren kann, fehlen aber die nötigen Finanzen. Bis das Magazin einen gewissen Bekanntschaftsgrad erreicht hat, braucht es viel Überzeugungsarbeit auf der Strasse und Geduld, geeignete Verkäufer zu finden um die Verkaufskanäle aufzubauen. Das Team wird viel von den Erfahrungen mit dem Oromo Magazin profitieren können und ist zuversichtlich, dass auch das Somali Magazin nach zwei Jahren selbsttragend sein wird.

Wer schließt sich der Vision an, dass Lesen in der eigenen Muttersprache in Äthiopien für alle zum Alltag gehören soll?