Hintergrund

Alphabetisierung ist ein grundlegendes, von den Vereinten Nationen verankertes Menschenrecht. In fast jeder Gesellschaft ist Schriftsprachenkompetenz ein Grundbaustein für viele andere lebenswichtige Fertigkeiten. Auf dem Archipel der Komoren, einer islamischen Republik im Indischen Ozean, sind gemäss der UNESCO-Statistik (2009) aber knapp ein Drittel der Menschen Analphabeten, wovon die grosse Mehrheit Frauen sind. In ländlichen Gebieten wir die Analphabetenraten um etliches höher eingeschätzt.

                                                                                       Du kannst Menschen etwas vorlesen und sie werden abhängig bleiben.
                                                                                       Du kannst sie das Lesen lehren und sie werden mündig werden.    Sprichwort

 

Sie können in Ihrer Muttersprache weder lesen noch schreiben..? Unvorstellbar!

Stellen Sie sich vor: Sie sind eine Frau, etwa 30 Jahre alt, und sitzen in einer Alphabetisierungsklasse, da Sie weder lesen noch schreiben können.

Sie versuchen mühsam, die Buchstaben im Buch zu erkennen: n ‐ t ‐ r ‐ o ‐ n ‐ g ‐ o … Aha! Ntrongo! Gerade jetzt sind Sie zwar mächtig stolz, dass Sie das Wort ntrongo lesen können. Das Problem ist, dass Sie keine Ahnung haben, was es bedeutet.

Genau dies ist die Lage der Menschen auf den Komoren! Lehr‐ und Schulprogramme werden als Erbe der Kolonialzeit auf Französisch durchgeführt, obwohl die Muttersprache der Komorer das Shikomori ist, eine Sprache, die dem ostafrikanischen Suaheli nahe steht.

In der Schweiz kämen wir nie und nimmer auf die Idee, unseren Kindern das Lesen und Schreiben in einer Fremdsprache beizubringen. Warum sollte dies auf den Komoren anders sein? Wer lesen lernt, ohne zu verstehen, was er liest, verschwendet nur seine Zeit!

Aus diesem Grund haben wir uns zum Ziel gesetzt, Lehrmittel auf Shikomori zu erstellen. In Zusammenarbeit mit einem Team von Komorern sowie eines einheimischen Vereins, der sich die Förderung des Shikomori zum Ziel gesetzt hat, sind wir daran, das neue Lehrbuch zu verfassen. Zusätzlich unterstützt PartnerAid die Initiative, dass die Kinder mindestens in den ersten Schuljahren in der Muttersprache unterrichtet werden.

Wer in der Muttersprache liest und versteht, was er liest, wird normalerweise auch als Erwachsener lesen und damit auch in der Lage sein, selbständig weiter zu lernen.

Ziele des Alphabetisierungs-Projekts

  • Senkung der Analphabetenrate in ländlichen Gebieten, besonders unter den Frauen und jungen Menschen,             die nicht zur Schule gehen konnten oder zu früh aussteigen mussten
  • Förderung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Rechte
  • Stärkung von Selbstbewusstsein, Eigenverantwortung und Entscheidungskompetenz dieser Menschen
  • Vorbereitung für weiterführende Französischkurse oder das Primarschulzertifikat
  • Schaffung von Arbeitsstellen und Weiterbildung für junge Lehrer/innen aus Randgebieten
  • Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Sensibilisierung der Dorfgemeinschaften für Erwachsenen- und Frauenbildung

Was seit 2012 realisiert wurde:

  • Herstellung von Lese- und Schreiblernbüchern für die lokale Sprache (Niveau 1) und Französisch (Niveaus 2 und 3)
  • Ausbildungslehrgänge für Alphabetisierungs-lehrer/innen für die verschiedenen Niveaus
  • Ausbildung von lokalen Supervisoren
  • Durchführung und Supervision von 6 Alpha-betisierungsklassen mit 120 Studenten auf Französisch (Niveaus 1 und 2), in verschiedenen Dörfern, während dem Schuljahr 2012/13 (dieses Programm wurde von der Schweizer Botschaft in Madagaskar mitfinanziert)
  • Durchführung von 6 weiteren Alphabetisier-ungsklassen mit 150 Studenten in der lokalen Sprache ab 2014.